Dr. Dominique Görlitz: Gefolgschaft des Horus. Ursprung der Sumerer und transatlantische Kontakte 2700 v. Chr. [VD]

[VD][Recherche zur Video-Dokumentation]. Im folgenden Video „Klimawandel im Spiegel antiker Kulturen & unser Ursprung“ stellt der Experimentalarchäologe und Biogeograf Dr. Dominique Görlitz seine Thesen und wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zur Existenz einer wohl noch namenlosen, hochseetauglichen Ur-Kultur vor:
(Quelle: Klimawandel im Spiegel antiker Kulturen & unser Ursprung | Dr. Dominique Görlitz | EIKE '26)
Zusammenfassung
1. Das Rätsel der globalen Sintflut-Legenden & der Ursprung der Zivilisation
Weltweite Erzählungen
[01:32] Görlitz verweist darauf, dass nahezu alle antiken Völker (Mesopotamien, Ägypten, Industal, Amerika) von kataklysmischen Flutereignissen berichten [01:40].Kulturexport durch Überlebende
Klimatische Auslöser
2. Datierung der Pyramiden & Monumente in Ägypten
Kritik an Denken und Extremdatierungen
Wassererosion am Sphinx
Einordnung ins 4. Jahrtausend v. Chr.
3. Wanderung der Sumerer und Kulturexport gen Westen
Das sumerische Rätsel
Seeweg über den Persischen Golf
Das Zikkurat als Identitätssymbol
4. Naturwissenschaftlicher Nachweis
Bisherige Lehrmeinung: Die Stufenbauten auf den Kanarischen Inseln wurden oft als moderne Steinlesehaufen (Machanos) abgetan [23:08].
Wissenschaftlicher Durchbruch mit OSL: Mithilfe der optisch stimulierten Lumineszenz (OSL) [24:25] datierten beteiligte Nuklearphysiker Gesteinsschichten der Kanaren-Pyramiden [25:03].
Ergebnis: Die Messdaten zeigen ein Entstehungsalter zwischen 2300 und 2700 v. Chr. [26:11] – zeitgleich mit den Zikkuraten im Nahen Osten und Bauwerken auf Sardinien und Sizilien [26:21].
5. Transatlantische Kontakte bis nach Amerika
[27:05] Vor-kolumbianische Schifffahrt: Mit Schilf- und Rahseglern sei die Atlantiküberquerung bereits in der Stein- und Bronzezeit möglich gewesen [36:50].Hinweise in Amerika
Symbolik & Artefakte
Görlitz verweist auf neu entdeckte Petroglyphen auf Teneriffa [32:57], die Darstellungen der Weißen Krone Oberägyptens sowie das Sternbild Skorpion zeigen [33:36].
6. Schlussfolgerung & Einordnung des Klimawandels
Holistisches Klimaverständnis
[38:34] Der Referent argumentiert, dass natürliche Faktoren (solare Aktivität, Ozeanzirkulation, Vulkanismus) die Haupttreiber historischer Klimaschwankungen waren [40:18].
Bedeutung für die Forschung
Das Studium antiker Kataklysmen und Flutereignisse dient laut Görlitz dem besseren Verständnis der Erdgeschichte und der menschlichen Anpassungsfähigkeit [41:44].
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Zusammenfassung der Hypothese
Die Hypothese von Dr. Dominique Görlitz geht von der Existenz einer weitverbreiteten, hochseetauglichen maritimen Ur-Kultur in der Vor- und Frühgeschichte aus, die als Gefolgschaft des Horus (Shemsu-Hor) bzw. als proto-sumerische Seefahrer identifiziert wird und deren Wurzeln weiter im Osten, im Umfeld des Industals und der antiken Handelswege Ost-Arabiens, lagen.
Während der letzten Eiszeit war der Persische Golf noch ein weitgehend trockenes, fruchtbares Flusstal; mit dem postglazialen Meeresspiegelanstieg zwischen etwa 14.000 und 8.000 v. Chr. wurde dieses Gebiet allmählich überflutet, sodass die dort ansässigen Bevölkerungsgruppen nach und nach abgedrängt wurden.
Um 4000 v. Chr., als der Golf voll schiffbar geworden war, wichen die Vorfahren der späteren Sumerer – in Mythen eng mit Dilmun (Bahrain) und Figuren wie Enkidu verknüpft – auf Schilfbooten bzw. Schilfflößen nach Westen aus.
In der Phase des „Grünen Zeitalters“ vor rund 6.000 bis 5.000 Jahren, als Nordafrika (die Grüne Sahara), Süd-Arabien und die Levante durch feuchtere Klimabedingungen von Savannen, Flusssystemen und nutzbaren Seewegen durchzogen waren, umrundete eine Welle dieser hochseetauglichen Pioniere die Arabische Halbinsel und drang ins prädynastische Oberägypten ein, wo sie als Negade- bzw. Naqada-Kultur (I–III) [4] in Erscheinung trat. Sie brachte bereits fertige hochkulturelle Elemente mit, darunter eine hierarchisch organisierte Gesellschaft, die Weiße Krone Oberägyptens sowie den Bau von Nischenfassaden-Architektur und Stufenmonumenten (Zikkuraten) als sakrale Identitätsstifter.
Teile dieser Kultur blieben nicht im Niltal, sondern setzten die Fahrt über die Levante ins Mittelmeer fort und erreichten Kreta, Sardinien, Sizilien und die Straße von Gibraltar. Während sich in Ägypten aus den Stufenbauten allmählich die glattwandigen Pyramiden entwickelten, hinterließen die Seefahrer auf den Mittelmeerinseln weiterhin Stufenmonumente.
Auch die Vorläufer der Guanchen auf den Kanarischen Inseln, insbesondere Teneriffa, werden in diesem Zusammenhang als Träger derselben Tradition angesehen; moderne OSL-Datierungen ordnen einzelne dortige Pyramidenstrukturen einem Zeitraum um 2700–2300 v. Chr. zu.
Schließlich wagten Angehörige dieser Kultur den transatlantischen Sprung: Mit schilfgebundenen Fahrzeugen, deren Kreuzfähigkeit gegen Wind und Strömung Görlitz in seinen ABORA-Expeditionen experimentell zu belegen suchte, gelangten sie von den Kanaren über den Atlantik nach Kuba und weiter in die Karibik bzw. nach Amerika.
Insgesamt postuliert die Hypothese, dass die Entstehung der frühen Hochkulturen nicht isoliert in einzelnen Flusstälern erfolgte, sondern dass ein weltweites, miteinander verknüpftes Netzwerk einer stein- und bronzezeitlichen Seefahrer-Kultur existierte, dessen Migrationsschübe maßgeblich durch globale Klimawandel-Ereignisse – insbesondere den Meeresspiegelanstieg und die spätere Aridisierung der Sahara – ausgelöst und vorangetrieben wurden.
Meine Fragen und Gedankenspiele
Ich halte diese These für hochinteressant und stelle zunächst fest, dass es sich hier um eine Kultur handelt, die im Westindischen Ozean – also in einem tropischen Umfeld – agierte.
Da frühe Seefahrer nach meinen Recherchen ausgedehnte Reisen meist mit Zwischenstopps verbanden, um vor Ort Proviant anzubauen (wie es später auch die Phönizier taten), liegt die Vermutung nahe, dass diese frühen Seefahrer in den Tropen zunächst einen typischen Tropen-Landbau nutzten. Möglicherweise wurden solche Fernreisen in ihrer Anfangsphase überhaupt erst durch kultivierte Tropenpflanzen ermöglicht.
Das änderte sich jedoch grundlegend mit dem allmählichen Vordringen des Getreideanbaus (Gerste und Weizen), dessen Ursprünge im Übergang zur gemäßigten Klimazone und den angrenzenden Steppengebieten (Anatolien, Nordpakistan) liegen.
Blicken wir zur Indus-Kultur, finden wir in den westlichen Regionen nahe der Arabischen See (etwa im küstennahen Belutschistan) mit der Mehrgarh-Kultur genau diesen Übergang vom nomadischen Hirtenleben zu festen Siedlungen. Hier wurden gezielt Gerste (Hordeum) und Weizen kultiviert.
Vielleicht war es erst dieser Getreideanbau, der extrem weite Seereisen praktikabel machte – schließlich ist getrocknetes Getreide als Schiffsproviant wesentlich haltbarer und geschützter zu transportieren als verderbliche Tropenfrüchte wie Bananen oder Knollenfrüchte.
Fazit
Daraus ergibt sich die Frage: Verbreitete sich das Wissen um den Getreideanbau womöglich neben der Ausbreitung über Land vorzugsweise auch über die Seewege – und wenn ja, wann und wo?
Erste Nachweise für die Entwicklung des Getreideanbaus finden wir im Fruchtbaren Halbmond, der Levante und auf Zypern bereits um ca. 9000 v. Chr.
Quellen und Ergänzungen
Video-Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=xw9YwTQ_KpA
bei mir archiviert unter: 2025-08-25-kulturen-ursprung-Dr-Dominique-Görlitz-EIKE -26-xw9
[1] https://abora.eu/
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Dominique_Görlitz
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Abora_(Expeditionen)
[4] Die Negade-Kultur (Naqada-Kultur) (ca. 4000–3000 v. Chr.) bezeichnet die prä- und protodynastische Epoche des prähistorischen Ägyptens, eingeteilt in die Phasen Naqada I bis III. Sie legte durch Fortschritte in Metallurgie, Keramik, Fernhandel und gesellschaftlicher Hierarchisierung die technologischen und kulturellen Grundlagen für das spätere ägyptische Pharaonenreich.
https://de.wikipedia.org/wiki/Naqada-Kultur
Die wichtigsten Publikationen von Dominique Görlitz:
Ungelöste Rätsel der Entdeckergeschichte: Kam Kolumbus 15.000 Jahre zu spät? (mehrere Auflagen) – populäre Zusammenfassung der transatlantischen und globalen Kontaktthesen.
Schilfboot ABORA. Segeln gegen den Wind im Mittelmeer (2000) und Mit dem Schilfboot durch das Sternenmeer (2006) – direkte Expeditionsberichte, die die nautischen Grundlagen und die Verbindung zu ägyptischen/frühgeschichtlichen Seefahrern legen.
Das Cheops-Projekt (mit Stefan Erdmann, 2015, Kopp Verlag) – eher zu Pyramidenbau und Eisen, aber im Kontext seiner Gesamtthesen.
Die Argonauten der Steinzeit (2020) – weitere Ausarbeitung zu frühen Seefahrern und Metallbeschaffung.