
Das hier vorgestellte Blatt gehört zum Düsseldorfer Lieder-Album. 6 Lieder mit Pianofortebegleitung, erschienen 1851 bei Arnz & Comp. in Düsseldorf.
Es ist kein einzelnes Flugblatt, sondern Teil eines aufwendig ausgestatteten Mappenwerks im Querformat: Bildseite als Farblithografie, dazu die Noten für Singstimme und Klavier.

Gedicht: Joseph von Eichendorff, Der stille Grund
Vertonung: Ferdinand Hiller
Illustration: Oswald Achenbach (Farblithografie nach seiner Zeichnung)
Im Album ist das Lied die zweite Nummer. Die übrigen Beiträge sind u. a. Julius Rietz nach Wilhelm Müller, Robert Schumann nach Mörike (Der Gärtner), Julius Tausch und Robert Franz nach Geibel sowie Carl Reinecke nach einem weiteren Eichendorff-Gedicht. Illustriert haben neben Oswald Achenbach auch Henry Ritter, Wilhelm Camphausen, Carl Friedrich Lessing, Andreas Achenbach und Rudolf Jordan – also Kernfiguren der Düsseldorfer Malerschule.
Das Gedicht
Eichendorff notierte Der stille Grund am 19. Juni 1835 und kennzeichnete die Reinschrift mit „Gut! u. Fertig!“. Der Erstdruck erschien 1837 im von Adelbert von Chamisso herausgegebenen Deutschen Musenalmanach und im selben Jahr in Eichendorffs Gedichten(bei Duncker & Humblot). Er ordnete den Text den Romanzen zu.
Form: sieben vierzeilige Strophen, Reimschema abab.
Inhalt: Mondnacht, verirrte Bäche, steiler Tannenwald über einem See, ein halb versunkener Kahn ohne Steuermann. Eine Nixe sitzt auf einem Stein, flicht goldenes Haar und singt. Die ganze Landschaft scheint mitzusingen. Das lyrische Ich erstarrt – und wird nur durch ferne Morgenglocken aus dem Bann gerissen. Ohne diesen Klang wäre es „nimmermehr gekommen / aus diesem stillen Grund“.
Das ist die romantische Loreley-Situation, aber ohne Rheinfelsen und ohne Schiffbruch des Sprechers: Die Gefahr bleibt Traum und Verlockung; die Rettung ist christlich-alltägliche Ordnung (Glocke, Morgen). Typisch Eichendorff: Naturzauber und Sehnsucht auf der einen, Bewusstsein der Gefahr und Rückkehr auf der anderen Seite:

Gedicht: Joseph von Eichendorff, Der stille Grund
Vertonung: Ferdinand Hiller
Illustration: Oswald Achenbach (Farblithografie nach seiner Zeichnung)
Im Album ist das Lied die zweite Nummer. Die übrigen Beiträge sind u. a. Julius Rietz nach Wilhelm Müller, Robert Schumann nach Mörike (Der Gärtner), Julius Tausch und Robert Franz nach Geibel sowie Carl Reinecke nach einem weiteren Eichendorff-Gedicht. Illustriert haben neben Oswald Achenbach auch Henry Ritter, Wilhelm Camphausen, Carl Friedrich Lessing, Andreas Achenbach und Rudolf Jordan – also Kernfiguren der Düsseldorfer Malerschule.
Das Gedicht
Eichendorff notierte Der stille Grund am 19. Juni 1835 und kennzeichnete die Reinschrift mit „Gut! u. Fertig!“. Der Erstdruck erschien 1837 im von Adelbert von Chamisso herausgegebenen Deutschen Musenalmanach und im selben Jahr in Eichendorffs Gedichten(bei Duncker & Humblot). Er ordnete den Text den Romanzen zu.
Form: sieben vierzeilige Strophen, Reimschema abab.
Inhalt: Mondnacht, verirrte Bäche, steiler Tannenwald über einem See, ein halb versunkener Kahn ohne Steuermann. Eine Nixe sitzt auf einem Stein, flicht goldenes Haar und singt. Die ganze Landschaft scheint mitzusingen. Das lyrische Ich erstarrt – und wird nur durch ferne Morgenglocken aus dem Bann gerissen. Ohne diesen Klang wäre es „nimmermehr gekommen / aus diesem stillen Grund“.
Das ist die romantische Loreley-Situation, aber ohne Rheinfelsen und ohne Schiffbruch des Sprechers: Die Gefahr bleibt Traum und Verlockung; die Rettung ist christlich-alltägliche Ordnung (Glocke, Morgen). Typisch Eichendorff: Naturzauber und Sehnsucht auf der einen, Bewusstsein der Gefahr und Rückkehr auf der anderen Seite:
Der Mondenschein verwirretDie Täler weit und breit,Die Bächlein, wie verirret,Gehn durch die EinsamkeitDa drüben sah ich stehenDen Wald auf steiler Höh,Die finstern Tannen sehenIn einer tiefen See.Ein Kahn wohl sah ich ragen,Doch niemand der es lenkt,Das Ruder war zerschlagen,Das Schifflein halb versenkt.Eine Nixe auf dem SteineFlocht dort ihr goldnes Haar,Sie meint’, sie wär’ alleine,Und sang so wunderbar.Sie sang und sang, in den BäumenUnd Quellen rauscht‘ es sachtUnd flüsterte wie in TräumenDie mondbeglänzte Nacht.Ich aber stand erschrocken,Denn über Wald und KluftKlangen die MorgenglockenSchon ferne durch die Luft.Und hätt’ ich nicht vernommenDen Klang zu guter Stund’:Wär’ nimmer mehr gekommenAus diesem stillen Grund.
Der Dichter
Joseph Freiherr von Eichendorff (1788–1857) war 1851 schon der kanonische romantische Lyriker. Viele seiner Gedichte waren längst Liedtexte (am bekanntesten Schumanns Liederkreis op. 39). Er selbst lebte nach dem Ausscheiden aus dem preußischen Staatsdienst zurückgezogen; das Album greift auf einen bereits „klassischen“ Text zurück, nicht auf eine Neuerscheinung.
Der Komponist
Ferdinand Hiller (1811–1885), Pianist und Komponist aus Frankfurt, Freund Mendelssohns und Schumanns, wurde 1850 städtischer Musikdirektor in Düsseldorf – als Nachfolger Robert Schumanns, dessen Amtszeit dort in der bekannten Krise endete. Das Album entstand also genau in dem Moment, in dem Hiller die führende musikalische Stellung der Stadt übernahm. Die Vertonung von Der stille Grund gehört zu seinen zahlreichen Liedern; berühmt ist sie heute nicht, fügt sich aber ins Repertoire des gebildeten Salons um 1850.
Der Illustrator und der Verlag
Oswald Achenbach (1827–1905) war 1851 erst 24, aber bereits ein aufsteigender Landschaftsmaler der Düsseldorfer Schule. Am 3. Mai 1851 heiratete er Julie Arnz, Tochter des Verlegers Heinrich Arnz. Die Illustration sitzt damit mitten in einem Familien- und Werkstattzusammenhang: Arnz & Comp. war der Düsseldorfer Lithografie- und Albumverlag (Kunstmappen, Düsseldorfer Monathefte, illustrierte Alben).
Achenbach liefert hier keine italienische Campagna, für die er später berühmt wurde, sondern eine zum Text passende deutsche Nachtlandschaft: Wald, Wasser, Mond, die Stimmung des „stillen Grunds“.
Publikationsumstände
Das Album ist ein Prestigeobjekt der Düsseldorfer Kunst- und Musikszene um 1850/51:
große Chromolithografien als Blickfang; zeitgenössische Komponisten, die in oder für Düsseldorf arbeiteten (Hiller, Schumann, Tausch, Reinecke …)
Achenbach liefert hier keine italienische Campagna, für die er später berühmt wurde, sondern eine zum Text passende deutsche Nachtlandschaft: Wald, Wasser, Mond, die Stimmung des „stillen Grunds“.
Publikationsumstände
Das Album ist ein Prestigeobjekt der Düsseldorfer Kunst- und Musikszene um 1850/51:
große Chromolithografien als Blickfang; zeitgenössische Komponisten, die in oder für Düsseldorf arbeiteten (Hiller, Schumann, Tausch, Reinecke …)
Maler der Akademie und der Malerschule
Zielgruppe: das bürgerliche Haus mit Klavier, also Bild und Vortrag
Es steht in einer Reihe illustrierter Düsseldorfer Alben, die Literatur, Musik und Grafik zusammenbinden. Dass Schumann und sein Nachfolger Hiller darin nebeneinander stehen, macht das Heft zugleich zu einem Dokument des Übergangs in der Düsseldorfer Musikgeschichte.
Es steht in einer Reihe illustrierter Düsseldorfer Alben, die Literatur, Musik und Grafik zusammenbinden. Dass Schumann und sein Nachfolger Hiller darin nebeneinander stehen, macht das Heft zugleich zu einem Dokument des Übergangs in der Düsseldorfer Musikgeschichte.
Kurz
Das Blatt ist ein typisches Gesamtkunstwerk des spätromantischen Salons – ein älterer Eichendorff-Text, neu vertont vom frisch berufenen Düsseldorfer Musikdirektor, bildlich gefasst vom Schwiegersohn des Verlegers.
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